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Simone Veil, die designierte Preisträgerin 2010

Madame Simone Veil

"Es liegt mir am Herzen, daran zu erinnern, dass

zahlreiche Sinti und Roma dasselbe Schicksal

erlitten haben wie die Juden.“  (Simone Veil, 2006)

 

Die französische Politikerin und ehemalige Präsidentin des Europäischen Parlaments, Simone Veil, ist die diesjährige Trägerin des Europäischen Bürgerrechtspreises der Sinti und Roma.

 

Mit Simone Veil erhält eine Persönlichkeit die Auszeichnung, die sich mit als Erste gesellschaftlich und politisch für die Anerkennung der Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes an Sinti und Roma einsetzte.

 

Noch vor ihrem offiziellen Antrittsbesuch in Deutschland, nahm Simone Veil als Präsidentin des Europäischen Parlaments an der Gedenkkundgebung der Sinti und Roma im ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen im Jahr 1979 teil. In ihrer Rede betonte sie ihre uneingeschränkte Solidarität gegenüber den Sinti und Roma und ihre besondere Treue gegenüber allen Opfern der Nazi-Gräuel. Den Kampf der Sinti und Roma um ihre Anerkennung als Opfer der rasseideologischen Verfolgung durch die Nationalsozialisten bezeichnete Veil als „Kampf für die Menschenrechte“.  Mit dieser ersten europäischen Gedenkkundgebung und Simone Veils eindrucksvollen Rede wurde das öffentliche Bewusstsein für das Verfolgungsschicksal und das Leiden der Minderheit in der Zeit des Nationalsozialismus geschaffen. Dies legte den Grundstein für die Bürgerrechtsarbeit der Sinti und Roma sowie für die spätere Anerkennung des Völkermordes an den 500 000 Sinti und Roma im nationalsozialistisch besetzen Europa durch die ehemaligen Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Helmut Schmidt und Helmut Kohl.

 

Der Vorsitzende der Jury, Romani Rose, hob besonders hervor, dass für Simone Veil der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma, selbstverständlich ebenso wie der Völkermord an den Juden, allein aus rassistischen Gründen erfolgte. Indem sie diese Analogie und ihre Solidarität mit den Opfern unter den Sinti und Roma bis heute immer wieder betont, leiste sie einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Bewusstseinsbildung und Erinnerung. Ohne die durch ihren Einsatz und ihre Funktion erzielte, große öffentliche Wirkung hätte sich der Verlauf der weiteren politischen Arbeit für die Sinti und Roma kaum derart erfolgreich gestalten können.

 

Der Stifter des Preises, Manfred Lautenschläger, würdigte die Rede Veils in Bergen-Belsen als „Großtat und politisch wegweisend für die weitere Entwicklung der Arbeit für die Minderheit“.

 

Der vom Zentralrat und dem Dokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma gemeinsam mit der Manfred Lautenschläger Stiftung ins Leben gerufene Bürgerrechtspreis soll einen Beitrag leisten zur Wahrung der Bürgerrechte und der Chancengleichheit der Angehörigen der Sinti und Roma-Minderheiten in ihren jeweiligen Heimatländern in Europa. Der Preis soll gleichzeitig ein Signal an politisch verantwortliche Stellen, Medien und gesellschaftliche Gruppen in Europa sein, gegen überkommene Klischees, Vorurteilsstrukturen und gegen jede Form der Ausgrenzung vorzugehen.